Erste-Hilfe-Ausbildung in der ÖWR

Im Herbst 2002 begann in der Bundesleitung eine Arbeitsgruppe einheitliche wasserrettungsspezifische EH-Ausbildungen auszuarbeiten. Nach einer 16stündigen "Grundausbildung" (bei ÖRK, ASBÖ, JUH, MHDA, AUVA) werden nunmehr mehrere Module angeboten, die an die speziellen Anforderungen angepasst sind.
Das Modulsystem dient dazu, unsere Mitglieder immer auf dem neuesten Stand der Lehrmeinung zu halten und das erlernte Wissen so oft wie möglich zu üben. Um mit dem Modulsystem beginnen zu können, muss man einen 16-stündigen Erste Hilfe Kurs besuchen. Anschließend hat man erst zwei Jahre und danach jeweils drei Jahre Zeit die fünf Module zu besuchen. Die Module:

Modul 1: Rettungskette, Eigensicherung, Wiederbelebung
Dieses Modul beschäftigt sich vor allem mit dem Selbstschutz, der Rettungskette und den lebensrettenden Sofortmaßnahmen: Der Ersthelfer soll lernen, eine Gefahrenzone richtig einzuschätzen, einen verletzten oder nicht ansprechbaren Patienten mithilfe verschiedener Bergegriffe zu retten und den Notruf korrekt abzusetzen. Weiters werden lebensrettende Sofortmaßnahmen wie die stabile Seitenlage bei bewusstlosen Personen und die Reanimation bei Patienten mit Atemkreislaufstillstand geübt. Eine Rettungskette kann nur dann funktionieren, wenn der Notruf möglichst rasch abgesetzt und bereits auf der Straße mit den lebensrettenden Sofortmaßnahmen begonnen wird!

Modul 2: Starke Blutungen, Schock, Fremdkörperaspiration
In diesem Modul geht es vor allem um die Versorgung stark blutender Wunden und die Schockbekämpfung. Der Helfer soll lernen, starke Blutungen durch Fingerdruck zu stillen, einen korrekten Druckverband anzulegen und einen lebensbedrohlichen Schock rasch zu erkennen und zu bekämpfen. Maßnahmen zur Beseitigung einer Fremdkörperaspiration, die besonders häufig bei Kleinkindern vorkommt, werden besprochen und geübt.

Modul 3: Thermische Notfälle, Traumatologische Notfälle
In diesem Modul werden thermische und traumatologische Notfälle besprochen. Der Ersthelfer soll lernen, Unterkühlungen und Erfrierungen (nicht selten bei Patienten im Wasser), sowie Sonnenstich, Hitzschlag und Verbrennungen richtig zu versorgen. Bei den traumatologischen Notfällen werden Erkennen und Maßnahmen bei Knochen- und Gelenksverletzungen, Wirbelsäulenverletzungen und Schädel-Hirn-Traumen (oft nach Kopfsprüngen ins flache Wasser!) und Wunden besprochen, sowie verschiedene Wundverbände geübt.

Modul 4: Interne Notfälle, Ertrinkungsunfall
Dieses Modul bespricht viele interne Notfälle, die häufig bei erwachsenen Patienten vorkommen und zu Bewusstlosigkeit und Atemkreislaufstillstand führen können. Es handelt sich dabei um das Erkennen und die korrekten Maßnahmen bei Kreislaufkollaps, Schlaganfall, Epilepsie, Herzinfarkt bzw. Angina pectoris, Asthma bronchiale, Hyperventilation und allergische Reaktionen nach Insektenstichen. Besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Maßnahmen nach einem Ertrinkungsunfall gelegt.

Modul 5: Gerätekunde
In diesem Modul wird der Helfer nach dem Medizinproduktgesetz auf Geräte eingeschult, die ihm im Notfall zur Verfügung stehen. Dabei werden vor allem verschiedene Techniken zur HWS-Immobilisierung mittels Stifneck, zum Bergen eines Patienten mittels Spineboard oder Schaufeltrage + Vakuummatratze, sowie der sichere und korrekte Umgang mit Sauerstoff (mit einem besonderen Augenmerk auf Tauch- und Ertrinkungsunfälle) geübt.

Zusatzmodule:
Zusatzmodule sind spezielle Module, die sich mit medizinischen Themen beschäftigen, die nicht fixer Bestandteil eines Erste Hilfe Kurses sind (z.B. Kinder- und Säuglingsreanimation, Wildwasser-Erste-Hilfe, Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers).

Unterlagen:
Als Lernunterlage steht ein einheitliches Skriptum zur Verfügung. Für den Vortrag wird einerseits auf Folien vom Roten Kreuz zurückgegriffen, für spezielle Themen wurden eigene entwickelt. Die ÖWR-spezifischen Unterlagen (nicht die RK-Folien) stehen allen ÖWR-Gliederungen kostenlos elektronisch zur Verfügung.