Ausbildung

"Ruderer vom Donaubund übten sich als Rettungsschwimmer"


Im Sommer vergangenen Jahres besuchten Rettungsschwimmausbilder des LV Wien unter der Leitung von Bernhard Nikolaus den Ruderclub Donaubund, um zwanzig interessierten Ruderinnen und Ruderern die wichtigen Grundlagen der Selbst- und Partnerrettung beizubringen.

Die begeisterte Ruderin Katinka Nowotny verfasste für den RuderReport 07/2009, der offiziellen Verbandszeitschrift des Österr. Ruderverbandes, einen Erlebnisbericht, den wir hier wiedergeben können

Das hatte sich Susi wahrscheinlich anders vorgestellt: aber schließlich hat sie sich freiwillig gemeldet, als es darum ging wer in dieser Runde die Ertrinkende spielt und unerschrocken ist sie allemal. Schon ziehen zwei Ruderer freudig an ihren Händen, tauchen sie dann mit viel Schwung noch einmal unter, um sie dann sachte auf den Steg zu ziehen. "Achtet auf ihren Kopf" ruft noch schnell der Rettungsschwimmer von der österreichischen Wasserrettung.

Ruderer sind als Wassersportler immer wieder auch mit den Gefahren von Wasser konfrontiert: Wie umgehen, wenn man einen Schwimmer mit den Skulls auf den Kopf haut? Was tun, wenn jemand bei einer Regatta im Boot ohnmächtig wird? Oder man bei eiskaltem Wasser kentert?
über 90 Minuten lang wurde im Wiener Ruderclub Donaubund im Wasser geübt. Die Idee fand im Verein viel Anklang. 20 Ruderer sind erschienen. Drei Profis von der Wasserrettung kamen in ihrer Freizeit und aus purem Idealismus. Sie wollten den Donaubundlern die Grundkenntnisse eines Rettungsschwimmers im Schnellverfahren beibringen. "Manchmal ist es schwierig Unerfahrenen die Gefahren aufzuzeigen. Die Ruderer vom Donaubund waren eine sehr angenehme Gruppe, da konnten wir auf einem sehr hohen Niveau einsteigen und sehr ins Detail gehen," meinte Bernhard Nikolaus, von der Österreichischen Wasserrettung, der den Kurs geleitet hat.

Viele Sachen sind logisch und trotzdem muss man sie einmal ausprobieren um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Wenn man ins Wasser springt soll man nicht Köpfeln, sondern lieber den Ertrinkenden mit den Augen fixieren und einen großen Schritt machen. Schlägt der Ertrinkende wild um sich, soll man versuchen ihn mit Worten zu beruhigen, geht das nicht, so muss man den kurzen Augenblick abwarten, wo er keine Kraft mehr hat, aber noch nicht untergeht um ihn mit einem Rettungsgriff zu packen. Ist das Wasser sehr kalt so können die Finger nicht mehr greifen, dann braucht man etwas Flaches damit sich der Ertrinkende darauf legen kann. Unterkühlte muss man ganz vorsichtig bewegen, sonst fließt das kalte Blut zum Herzen und es kommt zum "Bergungstod", außerdem muss man sie ganz langsam erwärmen mit heißen gezuckerten Getränken ohne Alkohol zum Beispiel und darf sie nicht vor einen Ofen setzen.
Und so wurde geübt. In Zweier- und Dreier-Gruppen wechselten sich immer neue "Retter" und "Ertrinkende" ab. "Ich habe nicht gedacht, dass es so viel Kraft kostet und so schwierig sein kann, einen Menschen aus dem Wasser zu ziehen", sagt Joey Jaksch, der bei den Jugendlichen dabei war "der Abend war sehr aufschlussreich und gut". Und der jüngste Teilnehmer, der 11-jährige Gideon Frey fand das Zuwerfen von Rettungsleinen sehr lustig: "Als wir ganz schnell durchs Wasser gezogen wurden, war das sehr lustig und cool. Es hat viel Spaß gemacht."
Nach den Übungen blieb noch Zeit für eine Fragestunde. Da kam sehr viel zur Sprache: wie lange kann man im kalten Wasser überleben? Was muss man selber beachten wenn man einen Ertrinkenden das Leben retten will? Welche simplen Vorsichtsmaßnahmen sollten Ruderer ergreifen bevor sie in ein Boot steigen?

"Es war sehr interessant, lehrreich und lustig" meint auch die FISA-Schiedsrichterin Elisabeth Smetana. Als Schiedsrichterin hat sie immer wieder mit gekenterten Ruderern, die teilweise noch in ihren Schuhen hängen, zu tun. Die mehrfache Staatsmeisterin Smetana fügte am Ende noch leise hinzu: "Was wir heute gelernt haben war super, aber hoffentlich brauchen wir dieses Wissen in unserem Leben nie."

"Warum machen wir das nicht öfters", und eigentlich ein "Muss für alle Ruderer" war das Fazit vieler Teilnehmer.

Der Donaubund war der erste Ruderclub in Wien – vielleicht sogar in Österreich – der so etwas gemacht hat. Vielleicht greift jemand diese Idee auf ...

Katinka Nowotny
arbeitet für das ORF-Weltjournal
und ist begeisterte Ruderin