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Österreichische Wasserrettung - Landesverband Wien

ÖWR erstmals beim SKKM Modul 2 "Führen im Katastropheneinsatz" vertreten


Zum 9. Mal wurde in der Woche vom 28.02. bis zum 02.03.2012 das SKKM-Modul 2 "Führen im Katastropheneinsatz" (früher "Integrierte Stabsarbeit") in der Sicherheitsakademie (.SIAK) in Traiskirchen durchgeführt. Eine Premiere war diese Ausbildungsveranstaltung für die  Österreichischen Wasserrettung, die erstmals einen Teilnehmer entsenden durfte.

Ein gemeinsames Führungsverständnis ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für die effiziente Bewältigung von Krisen und Katastrophen.

Mit der Schaffung des Staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagements (SKKM) war es u.a. die Absicht, die Zusammenarbeitsfähigkeit (Interoperabilität) der Behörden und Einsatzorganisationen im Katastrophen- und Großschadensfall untereinander zu verbessern. Dazu wurde ein gemeinsames österreichweites Stabsarbeitsgrundmodell auf Grundlage einfacher, zweckmäßiger und allgemein anerkannter Regeln erarbeitet und in der "Richtlinie für das Führen im Katastropheneinsatz" zusammengefasst. Diese Richtlinie stellt eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Ausbildungsangeboten von Behörden, sowie Einsatz-, Hilfs- und Rettungsorganisationen dar. Im Rahmen des Modul 2 "Führen im Katastropheneinsatz" wurde diese Richtlinie den Teilnehmern in Theorie und Praxis näher gebracht.

Hier ein kurzer Bericht vom teilnehmenden ÖWR-Landeseinsatzleiter Stv. (LV Wien), Dirk Strickmann:

Der erste Tag (28.02.2012) begann mit einer Vorstellung des SKKM und des Katastrophenschutzes in Österreich. Im Anschluss wurde auf die Besonderheiten des Führens im Katastropheneinsatz eingegangen. Nach dem Vermitteln der Führungsgrundsätze durch Obst. Christian Rennhofer (Theresianische Militärakademie) wurde das Führungssystem diskutiert (OBR Franz Rath, ÖBFV) und dann das Führungsverfahren anhand eines Lehrplanspiels in der Theorie näher gebracht (Markus Kurcz, Land Salzburg). Dieser erste Tag war durch die beachtliche Menge an theoretischem Stoff recht anstrengend, aber als Einstimmung und Vorbereitung auf die praktische Stabsarbeit notwendig.

Alle übrigen Tage standen ganz im Zeichen der Praxis. Am Tag 2 wurden die theoretischen Grundlagen anhand des zuvor erwähnten Lehrplanspiels umgesetzt. Die Arbeit eines Einsatzstabes wurde am Beispiel einer Lawinenkatastrophe im Raum Obertauern (Salzburger Land) geübt. Dazu wurde die Arbeit im Stabsraum immer wieder durch die Trainer unterbrochen, kommentiert und wenn nötig korrigiert.

Am 3. Tag wurde der Stresslevel deutlich gesteigert. Es galt als Stab einer Bezirkshauptmannschaft eine Hochwassesituation in Puchberg am Schneeberg im südlichen Niederösterreich in den Griff zu bekommen. Ich wurde mit zwei weiteren Kollegen dem Sachgebiet S3 (Einsatz) zugeteilt. Als Schnittstelle zur fiktiven Außenwelt via Telefon und Funk war eine Response-Zelle eingerichtet, die es verstand, eine erschreckend realistisch wirkende Katastrophensituation zu simulieren. Während der ersten Stunden im Stabsraum war noch nicht viel an agieren zu denken, viel zu sehr war man mit dem Erfassen der Lage beschäftigt. Es blieb maximal Zeit um die zeitlich dringendsten Aktivitäten zu setzen (z.B. die Beantragung von Landes-Reserven des ÖBH).

Mit zunehmender Organisation innerhalb des Stabes (nicht zuletzt durch Erstellen einer pragmatischen Geschäftsordnung) konnte dann nach dem Mittag (die Einnahme des Mittagessen erfolge realitätsnahe im Schichtbetrieb) eine intensive Planungsarbeit beginnen. Als Vertreter des Sachgebiets S3 wurde ich mit der Bildung einer Planungszelle beauftragt, in der auch Vertreter der Sachgebiete S1 (Personal), S2 (Lage) und S4 (Versorgung) vertreten waren. Innerhalb dieser Gruppe wurde dann ein Plan für die nächsten 20 Stunden ausgearbeitet und beim Lagevortrag zur Entscheidung (LVE) dem "Bezirkshauptmann" und dem Stab präsentiert. Nach der positiven Entscheidung für den Plan, wurde dieser dann auch entsprechend umgesetzt. Um 17:00 war dann eine Pressekonferenz anberaumt, die ebenfalls sehr realistisch durchgeführt wurde. Hier stelle sich der Einsatzleiter (Bezirkshauptmann) zusammen mit den Verbindungsoffizieren aus der Fachgruppe den teils sehr provokanten Fragen der "Presse".

Eine strukturierte Übergabe an die "Nachtmannschaft" inklusive eines Lagevortrags zur Orientierung (LVO) erfolgte dann am vierten und letzten Tag des Moduls.  Anschließend folgte eine Zusammenfassung und das Feedback der Trainer, welches sehr positiv ausfiel. Die Überreichung der Zertifikate durch Brigadier Karlheinz Dudek (Stv. Direktor der .SIAK) beendete dann das Modul.

Das SKKM Modul 2 "Führen im Katastropheneinsatz" war durch Mag. Stefan Schönhacker hervorragend organisiert und von authentischen, sehr kompetenten und erfahrenen Stabstrainern betreut. Es konnte praxisorientiertes Wissen vermittelt werden, was nicht nur im Großen, sondern auch in kleineren Einsatz-, Hilfs- und Rettungsorganisationen, auf jeder Führungsebeneund in jedem Einsatz angewendet werden kann (z.B. durch Zusammenziehen von Sachgebieten, s.u.). Die praktische Umsetzung dieses Wissens stellt einen wichtigen Schritt in Richtung Zusammenarbeitsfähigkeit (Interoperabilität) der Behörden und Einsatzorganisationen dar.

Text: Dirk Strickmann
Graphiken: Richtlinie für das Führen im Katastropheneinsatz, .SKKM, BM.I, Abteilung II/4, erste Auflage Februar 2007

Erstellt von: Dirk Strickmann